Die Ausrüstung
- al-saada-endurance
- 2. Nov. 2021
- 5 Min. Lesezeit

Ein weiterer Punkt zu dem ich immer sehr viele Fragen bekomme, ist die Ausrüstung.
Ich denke viele Reiter würden gerne in den Distanzsport hineinschnuppern, sind dann aber von den Fotos in den Social Media Netzwerken erschlagen von unserer Ausrüstung…..
Die Sättel sehen so gar nicht normal aus, die Reitbekleidung ebenso wenig. Und alles ist sehr bunt.
Nun, das wir Distanzreiter sehr farbenfroh sind ist glaube ich unumstritten. Allerdings liegen wir Distanzreiter mit unserer bunten Biothanezäumung eher den Wert auf die pflegeleichte Handhabung dieses Materials. Das es schön bunt erhältlich ist, ist natürlich ein positiver Nebeneffekt. Unser Zaumzeug ist auf Distanzritten stundenlang am Pferd, voller Schweiß. Fliegt in der Coolingzone einfach mal in den Dreck wenn es schnell gehen muss usw.
Biothane ist extrem reißfest, aber das wichtigste ist, man kann es egal wie verdreckt es ist einfach mit kaltem Wasser abwaschen und zurück an den Haken hängen. Es schimmelt nicht wie Leder oder wird hart und spröde.
Gerne benutzen wir als Zaum ein einfaches Halfter mit Bithangern, das Pferd kann jederzeit angebunden werden und das Gebiss einfach ein- und ausgeschnallt werden. Eine andere Variante ist das Quick Release Bridle. Ein einfaches Halfter über das ein Kopfstück, bestehend aus Stirnriemen und Backenriemen mit Gebiss, darüber gezogen wird, und mit Druckknöpfen zusammen geknöpft wird. Auch so kann das Pferd jederzeit angebunden werden, das Kopfstück mit Gebiss ist im Handumdrehen abgenommen.
Was gibt es noch aus Biothane? Das Vorderzeug. Viele fragen mich immer wieder warum Atoum ein Vorderzeug trägt obwohl doch gar keine Martingalgabel daran ist? Meine Pferde tragen immer, und jeder, ein Vorderzeug. Sam ist z.B Headshaker durch Fliegen, er hat auch ein Martingal weil der schleudernde Kopf gefährlich werden kann. Hier gilt natürlich auch bis zur Ganasche verschnallt, lieber zu lang als zu kurz, es soll nur der Sicherheit dienen. Atoum braucht kein Martingal, aber auch er trägt das Vorderzeug, auch dies dient der Sicherheit. Ich wurde vor Jahren Zeuge eines unschönen Unfalls. Ein Reiter stürzte beim Zielfinish in vollem Tempo, das Pferd rutschte auf nassem Gras, der Reiter fiel und zog dabei den Sattel unter den Bauch des Pferdes. Das Pferd rannte panisch davon, verfing sich noch das Hinterbein im Steigbügel. Viele km weiter konnte man das völlig aufgelöste Pferd stoppen und aus seiner misslichen Lage befreien. Es ist Gott sei Dank mit leichten Verletzungen davon gekommen. Aber mit Vorderzeug wäre der Sattel nur schief gerutscht, nicht bis unter den Bauch. Das Thema Sattel, schier unendlich! So vielfältig die Pferde und Reiter sind, so vielfältig ist das Sattelangebot. Wichtig ist eine klare Sache: Pferd und Reiter müssen sich damit wohl fühlen, und natürlich muss der Sattel beiden passen.
Wenn man erst mal in unseren Sport reinschnuppern möchte sollte man sowieso erstmal seine Ausrüstung wie sie ist beibehalten. Wenn man dann beschließt das ist mein Sport und da möchte ich weiter dran arbeiten, gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Der eine schwört weiter auf seinen klassischen Englischsattel und reitet bis 160km im Dressursattel. Der andere hat nach 50km schon Probleme darin stabil zu sitzen.
Die Devise ist ausprobieren! Es gibt viele verschiedene Modelle eines Distanzsattels. Es gibt Kieffer, Gaston Mercier oder Devoucoux Sättel die so konzipiert sind dass man auch gut auf dem Platz damit arbeiten kann.
Andere Sättel wie Setzi oder Seleiro sind sehr leicht, Devise weniger ist mehr, und bieten maximale Freiheit. Wer die Möglichkeit hat sollte bei Bekannten Probe sitzen oder einen Testsattel anfragen. Wir bevorzugen für unser Team die klassischen Distanzsättel, Setzi und Gaston Mercier. Für die Arbeit auf dem Platz haben wir gesonderte VS-Sättel. Auf jeden Fall sollte man ein etwas dickeres Pad als Unterlage der herkömmlichen Schabracke vorziehen. Hier sehe ich bei meinen Pferden auch grosse Unterschiede. Während ein Pferd alle Pads gut verträgt möchte Sam auf keinen Fall Fell, das scheuert ihm die Haare ab. Er hat Pads mit Sympa-Nova Unterseite wodurch der Schweiss sehr gut abgeleitet wird und praktisch an der Kante des Pads abtropft. Atoum kann damit gar nicht und bekommt einen harten Rücken, er möchte Fell, am besten Hohlfaserflor. Das nimmt Schweiss gut auf. Zusätzlich braucht Atoum mit seinem sehr empfindlichen Rücken noch eine Schicht Moosgummi, dies gibt es als Kombipad von Burioni.
Ein weiteres Problem bei Atoum ist, dass egal welches Pad, ihm die Naht am Widerrist die Haare ausreisst. Dieses Phänomen habe ich bisher tatsächlich nur bei ihm erlebt. Die Lösung ist ein dünnes Gelpad am Widerrist das direkt auf dem Rücken liegt, zur Belüftung haben wir eins mit Wabentechnik gewählt.
Die Kunst ist es herauszufinden was mein Pferd braucht, dies erfordert Geduld und Aufmerksamkeit.
Eine häufige Frage ist auch der Sinn meiner "Mützchen" am Pferd.
Wie bereits oben geschrieben ist Sam Headshaker, ausgelöst durch Fliegen. Aber auch Wind in den Ohren oder Wassertröpfchen machen ihn ungehalten. Ein Wollkäppchen wie man es kennt kam nicht in Frage, das Klopfen auf der Stirn machte ihm bald mehr zu schaffen als die Fliegen. Eine Fliegenmaske über dem ganzen Gesicht ist zu gefährlich, wenn es regnet kann er nicht mehr gut durch das Netz sehen. Eine Lösung musste her.... Also habe ich mich entschieden mir etwas für Sam anfertigen zu lassen. Eine Lycra Rennmaske ohne Silikon in den Ohren und ohne Scheuklappen. Die Ohren sind bedeckt, die Maske sitzt eng und flattert nirgens, der Schweiss wird als Nebeneffekt super aufgenommen und vom Fell wegtransportiert, und durch den Klettverschluss ist sie ruck zuck abgenommen in der Coolingzone.
Leider ist das Original in Deutschland nicht verfügbar, da dies ein guter Freund in Dubai für mich anfertigt, mit der einzigartigen Passform. Aber wir arbeiten an einem Onlineshop und einer Kooperation um die originalen Mützchen auch nächstes Jahr in Deutschland anbieten zu können.
Aber Ihr könnt mich auch kontaktieren und ich kann versuchen Bestellungen rauszugeben.

Genauso unterschiedlich wie die Pferde sind auch die Reiter.
Der eine braucht eine Reithose mit Besatz (Vorsicht Silikon und Ledersättel!!), während der nächste davon Scheuerstellen hat. Wir sind anatomisch alle verschieden, also gilt auch hier die Devise austesten.
Ich bevorzuge weitere, dünne Hosen wie die alte Studone oder die neue SGC, ansonsten fühle ich mich in herkömmlichen Laufleggings wohl, für mich darf es gar kein Besatz sein, der stört mich nur.
Ebenso habe ich selten Chaps an, damit muss ich vorsichtig sein da Atoum (wer hätte es erraten!!) sehr empfindlich mit dem Fell reagiert und das schnell von den Chaps abgescheuert wird hinter der Gurtlage. Ohne habe ich mehr Gefühl.
Schuhe sind bei mir Salomon oder Haglöfs unschlagbar. In der Wüste wo man fast nur sitzt sind leichte normale Nike's angesagt.
Aber ich kenne auch Distanzreiter die knöchelhohe Reitschuhe bevorzugen.

Die Palette an Ausrüstung ist so gross, dass ich noch Stunden darüber erzählen könnte, vor allem weil ich schon fast alles ausgetestet habe bisher.
Aber trotzdem hoffe ich, dass ich dem ein oder anderen ein paar hilfreiche Informationen geben konnte.


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